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Anneau du Rhin 2007

Anneau du Rhin € oder warum Rennsträgge nicht immer Spaß macht

Vorwort: dieser Bericht gibt lediglich meine bescheidene Sicht der Dinge wieder, wie sie sich zugetragen haben AD 28.09.2007 € 30.09.2007 in Anneau du Rhin. Trotzdem viel Spaß beim Lesen

Autor: Gabor




Freitag, 28.09.2007
Anreisetag. Irgendwie immer stressig. Obwohl es für mich dieses Jahr die kürzeste Anreise überhaupt war. Morgens noch gearbeitet, mittags ein- und aufgeladen und Punkt 15.00 Uhr ging es los in Richtung Dreiländereck. Hätte mich am Vortag jemand gefragt: "freust Du Dich nach Anneau zu fahren?", wäre die Antwort ganz klar: "Nein, gar keinen Bock drauf" gewesen. Freitag sah es nicht viel besser aus. Sicher trug die Wetterprognose mit zu dieser Geisteshaltung bei, denn die sah weniger hellblau, irgendwie mehr feucht-dunkelgrau aus.

Ein Treffen und eine gemeinsame Anreise mit den anderen Chaoten war dieses Mal nicht geplant, weil irgendwie jeder arbeiten musste und keiner wusste, wann genau er nun losfahren würde. Einmal auf der Piste wurde noch ein wenig telefoniert und der wahnsinnige Versuch unternommen, mitten im Berufsverkehr eines Freitag Nachmittages die Chaoten Jürgen und Erik auf der A5 einzuholen. Trotz Geschwindigkeiten jenseits von gut und böse und der permanenten Missachtung des Überholverbotes für Fahrzeuge mit Anhängern, wurde natürlich nichts daraus, auch wenn es nur 15 Kilometer waren, die uns trennten.

Nachdem die rund 250 Kilometer abgespult waren, kamen wir ziemlich zur selben Zeit gegen 17:30 Uhr im Fahrerlager an. Nun hieß es Plätze reservieren und das mobile Fahrerlager aufzubauen. Dank der neuen Unterkünfte von Jürgen und Erik, war die Zeltstadt binnen weniger Minuten errichtet und das Einräumen nahm seinen Lauf.

Ab ins Hotel, geduscht und fertig gemacht zum Futtern. Dankenswerter Weise hatte Matte € aufgrund eines Tipps vom BoSee-Team € nicht in Frankreich, sondern in Good Old Germany einen Tisch für zwanzig Personen in einem Restaurant reserviert, dessen klingender Name "Jack Danniels", einiges erwarten ließ. Zumindest was das Essen betraf, wurden wir auch nicht enttäuscht. An den Caipis müssen die Jungs aber noch ein wenig feilen.

Nach dem ausgiebigen Mahl ging es zurück ins Hotel und für mich ins Bett. Fertig mit der Welt. Die üblichen Verdächtigen (Matte, Sandra, Erik?) suchten noch den hoteleigenen Winzerkeller auf und haben dort auch noch das eine oder andere Glaserl Rotwein vernichtet. Das ist allerdings nur Hören-Sagen ;-)

Samstag, 29.09.2007 € neuer Tag, neues Glück
Sonnig und kühl. Also irgendwie ganz anders, als die Wetterfrösche das prognostiziert hatten. Meteorologen halt.. Mittlerweile waren auch ganz viele Schweizer angereist, die aber zu Beginn kaum einer verstanden hat. Macht aber nix :-). Insgesamt waren es wohl um die zwanzig Leute, die da in unserem "privaten" Fahrerlager im Wald Station machten. Der erste von zwei Überraschungsbesuchern war auch schon da. Kretzsche hatte trotz gegenteiliger Ankündigung die weite Anreise in Angriff genommen und wollte dem letzten Rennstrecken-Event des Jahres doch beiwohnen € wenn auch ohne Mopped.

Es kam der erste Rollout: für mich das erste Mal überhaupt auf diesem Kurs und nach zwei Runden war ich der festen Überzeugung, dass es auch das letzte Mal in Anneau gewesen sein wird. Es ging gar nichts bis überhaupt gar nichts. Mag sein, dass nicht nur der in meinen Augen grausam verunstaltete Kurs das Problem darstellte, sondern meine Unfähigkeit Mopped zu fahren (immer noch das Pannonia-Syndrom?), so ganz falsch scheint mein Eindruck aber nicht gewesen zu sein. Ohne dem Ende dieses Berichtes vorgreifen zu wollen: Sonntag abend waren zumindest die deutschen Teilnehmer ziemlich einhellig der Meinung, dass Anneau nächstes Jahr nicht in unserem Event-Kalender auftauchen wird. Die Schweizer sahen das naturgemäß und ihrer grundsätzlichen Einstellung folgend eher neutral, insbesondere die Truppe um Flisi und Mäddie fuhr aber auch extrem gute Zeiten.

Erik, Matte, Jürgen, Marius, Uwe und irgendwie auch der ganze Rest, hatten zumindest anfangs noch eine Menge Spaß und fuhren und fuhren und fuhren.. Mittags standen auf meiner Uhr nur 84 Kilometer und ich war froh, nicht beide Tage gebucht zu haben. Ebenfalls zur Mittagszeit kam Jens mit zwei super-süßen, allerdings noch blutjungen Mädels (4 und 6 Jahre) als zweiter Überraschungsbesuch. Und genau wie der erste auch ohne Mopped.

Mittagszeit bei Chaos-Racing.. als Racingteam mit den wohl meisten kochbegabten Mitgliedern, sollte doch wenigstens kulinarisch was gehen. Aber aufgrund der Kürze des Events und der knappen Vorbereitungszeit im Vorfeld, blieb die Küche dieses Mal leider kalt. Macht ja nix, es gibt ja Futter auf der Renne. Die Schweizer und Kretzsche waren die ersten Mutigen, die eine Pizza vom rollenden franco-italienischen Futtertrog ins Fahrerlager brachten. Lecker ist anders. Mehr gibt€s zur Pizza auch nicht zu sagen. Nachdem eher spärlichen Frühstück und der wenig begeisternden Strecke eine weitere persönliche Enttäuschung. Wenn es denn schon mit dem Motorradfahren nicht klappt, dann doch wenigstens mit dem Essen. Irgendwer merkte dann aber noch an, dass die Jungs da auch Flammkuchen backen würden. Und zumindest der näherte sich dem Prädikat "gut" einigermaßen an.

Für mich war die Mittagszeit viel zu schnell zu Ende, denn nun hieß es wieder Motorrad fahren. Aber es wurde nicht besser und der enorme Verbrauch vom Beast erlöste mich dann nach 129 Kilometern aufgrund eines leeren Tanks von diesem Elend. Sicher hätte man Tanken können, aber irgendwie fehlte mir dazu die Lust :-). Jens, der eigentlich mit seinen Töchtern Urlaub machen sollte (und wohl auch wollte), prügelte Eriks und Mattes Moped noch ein paar Runden um den Kurs und hatte sichtlich Spaß dabei. An dieser Stelle frage ich mich die ganze Zeit, warum man zum Zelten mit den Kindern eine Lederkombi, Stiefel, Helm und Handschuhe mitnimmt..

Alles in allem ein eher unspektakulärer und ereignisloser Samstag. Gen Ende des Tages drehten € wie wohl jeden Tag € noch ein paar nette Autos ihre Runden auf dem Kurs, dann ging es zum Duschen ins Hotel. Da die Schweizer Garde Ihre Fahrzeuge im Fahrerlager lasen wollte, verteilten wir die Jungs auf unsere Autos und so fuhren wir nach Neuf-Brisach. Da das Essen in Deutschland am Vorabend doch recht lecker war, ging es wieder in Richtung "Jack-Danniels" und so gab es wenigstens einmal am Tag etwas Leckeres zu Futtern. Wer sich an dieser Stelle wundert, warum hier mehr über das Essen denn über das Motorradfahren geschrieben wird: mir persönlich war das Essen wichtiger, außerdem war es unterm Strich auch besser als das Motorradfahren. Auffällig war, dass fast alle Schweizer Spareribs bestellten. Ich bin aber nicht sicher, ob ich die Hintergründe dafür kennen möchte. Neu war auch die Erkenntnis, dass normale DIN-Trinkhalme nicht bis zum Boden eines Weizenbierglases reichen. Aber auch das ist vermutlich eine Erkenntnis der Kategorie: Wissen, das die Welt nicht braucht.


So sieht es aus wenn Schweizer Weizen trinken..


.. und das obwohl sie (links im Bild) gezeigt bekommen, wie es richtig geht :-/

War es das Essen des Vortages, das Frühstück im Hotel? Man weiß es nicht, jedenfalls hatte Nicki irgendetwas zu sich genommen, was ihr den ganzen Tag über schon Bauchweh verursacht hatte. Als es abends immer noch nicht besser war und Nickis Umstände ohnehin zur Obacht mahnen, verbrachte Matte mit seiner Frau fast den ganzen Abend in einem Krankenhaus. Glücklicher Weise war es wirklich nur eine Magenverstimmung, allerdings brachte diese unsere Eltern in spe um das Abendessen in Breisach.

Zurück im Hotel sollte der Abend im Winzerkeller des Hotels ausklingen. Im Gegensatz zum Trinkhalm lieferte dies allerdings eine brauchbare Erkenntnis: Gehe niemals mit ständig "Mahlzeit" sagenden Schweizern in einen französischen Winzerkeller. Die Ausgeburt dieser Konstellation nennt sich "Korea". Unserem Rotweinliebhaber (zwischenzeitlich aus dem Krankenhaus zurück) war dies bisher nicht geläufig und ich vermute, dass sich ihm bei jedem Gedanken daran noch immer die Nackenhaare aufstellen. Trotz der nur geringen Anstrengung an diesem Tag, war ich ziemlich gefrustet und müde und ging bei Zeiten ins Bett. Nicht so jene, die eigentlich am nächsten Tag wieder Motorrad fahren sollten. Genaue Einzelheiten kenne ich nicht, es wird aber von mehreren Flaschen Rotwein und Cola (den Hauptbestandteilen von Korea) gesprochen.

Der Tag war zu Ende: Gott sei Dank.


Sonntag, 30.09.2007 € zweiter neuer Tag, zweites neues Glück?
Aufstehen, frühstücken, packen, auschecken und zur Renne fahren: so lautete der Plan für die erste wache Stunde des Tages. Und so ähnlich ist es dann auch gelaufen. Bemerkenswert war, dass jene, die das edle Getränk des Vorabends überhaupt erst ins Spiel gebracht haben, als letzte zum Frühstück geschlichen kamen. Dementsprechend fiel der erste Turn am Sonntag für diese Jungs auch gleich erst einmal ins Wasser.

Jens (ja, der Jens, der mit seinen beiden Töchtern eigentlich Zelten wollte) ergatterte von Harli ein Ticket für den Sonntag und meine K2 gleich mit. Das hatte zwei angenehme Folgen: Jens€ Töchter gehörten im Fahrerlager uns und bereiteten den "Nicht-Fahrern" eine Menge Freude und mein Mopped wurde wenigstens ein paar mal schnell um den Kurs bewegt, etwas, was es bisher nicht kannte.

Bis zum Mittag € wie auch schon am Vortag € gab es wenig herausragende Ereignisse. Alle spulten ihr Pensum ab, die einen mit mehr Freude, die anderen mit weniger. Allerdings zeichnete sich hier schon ab, dass der richtige extreme Spaß hier irgendwie fehlte. Pannonia und Brünn und selbst das stürmische Rijeka waren einfach besser.

Mittagspause: endlich kann ich wieder über Dinge schreiben, von denen ich glaube Ahnung zu haben. Etwas, was man zumindest von Mäddie nicht behaupten kann. Trotz des Pizza-Fiaskos am Vortag, kam er doch glatt wieder mit einer Pizza an den Tisch. Er behauptete aber auch standhaft, dass ihm diese sehr munden würde, zumindest hat er sie auch fast vollständig aufgegessen. Versteh einer die Schweizer..

Für mich bedeutete das Ende der Mittagspause langsam mit dem Packen zu beginnen. Viel war da aber nicht zu packen: Mein Moped wurde von Jens um den Kurs geprügelt, meine Reifenwärmer teilten sich Antonia und Uwe und die Ständer hatte ebenfalls Uwe in Beschlag. Gut: machen wir also noch ein paar Fotos, etwas, das an diesem Wochenende ohnehin irgendwie viel zu kurz gekommen war. Aber € und auch hier hat Anneau nichts zu bieten € wirklich gescheite Fotos vom Zynden waren nicht zu bekommen. Man kann nur auf Höhe der Boxengasse (die diesen Namen auch nicht wirklich verdient) ein paar Bilder machen. In Anbetracht dessen, dass die Rechts nach der Geraden aber 20 Meter ins Infield verlegt wurde, alles ein wenig zu weit weg, trotz des semiprofessionellen Equipments das Matte zur Verfügung stellte. Weniger von semiprofessionell kann man dann allerdings von Mattes zweirädrigem Equipment sprechen. War es in Brünn noch der lecke Ölkühler, war es dieses Mal die Motoraufhängung, die am Nachmittag schlapp machte und vom BoSee Team in unser Lager getragen wurde. Erschreckend dabei ist, dass Matte den Verlust nicht einmal bemerkte. Auch hier möge sich jeder seine eigenen Gedanken machen :-).

Innerlich schon am Abreisen gab es dann doch noch einen Höhepunkt. Leider einen nicht so erfreulichen. In der roten Gruppe stürzte ein Fahrer im schnellen Rechtsknick und musste mit dem Krankenwagen in ein Krankenhaus gebracht werden. An dieser Stelle die allerbesten Genesungswünsche. Der Turn war unterbrochen bis der Arzt zurück war, was alles in allem rund eine Stunde gedauert hatte. Ob das so sein muss, gerade bei einem für diesen Kurs doch recht beachtlichen Tagespreis, muss jeder für sich selbst entscheiden, wobei dieser Gedanke nicht an den Veranstalter BoSee geht, vielmehr an den Streckenbetreiber. Die restliche Zeit am Kurs möchte ich nicht weiter kommentieren, ist auch nichts, was man erlebt haben muss.

Ein letztes negatives Highlight bot dann auch noch das Hotel, das sich € sorry € selten dämlich bei der Abrechnung von Mattes Zimmer anstellte und als Pfand mal eben das Gepäck von Marius und Anita einbehielt. Es gibt Dinge, da fällt einem nichts mehr ein. Da Flisi und Mäddie auch noch behaupteten, kein Fenster in ihrem Zimmer gehabt zu haben (wobei ich das eher dem Genuss von Korea denn der Realität zuschreibe), kann man das Hotel eigentlich auch nicht ruhigen Gewissens empfehlen.

Was bleibt nun als Fazit:
  • die Strecke in Anneau ist ein Graus und außer ein paar sauschnellen Schweizern braucht die kein Mensch
  • Vergleicht man Preise und was einem dafür geboten wird, hat Anneau nur einen Pluspunkt zu verbuchen und das ist die relativ kurze Anreise aus unseren Gefilden
  • Die mittägliche Pizza ist für normale Europäer (Schweizer sind davon also ausgenommen) kein Gaumenschmaus, der Flammkuchen geht ;)
  • Hätte man das Motorradfahren gelassen, dann hätte das (für mich) ein super tolles Wochenende werden können
  • Glaubt man der allgemeinen Stimmung am Sonntag, wird das Chaos-Racing-Team nicht mehr in Anneau antreten

Aber es gab natürlich auch positive Dinge, hier sind ein paar davon:
  • Es gibt nette Schweizer (okay.. ist ne Untertreibung, die Mädels und Jungs sind echt Klasse)
  • Es war trotz aller Widrigkeiten schön mit dem ganzen Haufen wieder ein paar Tage zu verbringen
  • Das Essen im "Jack-Danniels" ist wirklich empfehlenswert
  • Korea indes nicht :-)
  • Die Anschaffung des Reifenmontiergerätes war die beste Entscheidung der Saison
  • "Mahlzeit" wurde definitiv von den Schweizern erfunden
  • Ich freue mich auf das nächste Jahr mit diesem Team.