Chaos Racing

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Cartagena 2010


Tag 1, 23.01.2010 - Anreise:

Ausnahmsweise pünktlich um null6hundert30 setzte sich der Chaos Konvoi vom Parkplatz Gerlinger Höhe (A81) gen Cartagena in Bewegung. Das erste technische Problem stellte sich bereits vor Fahrtbeginn heraus, ein akutes Kommunikationsproblem. Die eigens für die Chaos-Kraftfahrt-Koordinations-Kommunikation angeschaffte CB-Funkanlage konnte wegen einer abgebrochenen Magnetfußantenne nicht in Betrieb gehen.
Zähneknirschend und sichtlich genervt vom erneuten Versagen (letztes Mal war ein Funkgerät defekt und musste ersetzt werden) zauberte Jürgen zwei kleine Handfunkgeräte aus seiner Notebook-Tasche. Am Nachmittag kam es noch Dicker. Kurz vor Ledenon fing der VW Bus an besorgniserregende Geräusche zu machen. Der 5. Gang war hinüber, sodass Harri fortan nur noch bis zum 4. Gang fahren konnte. Außer dem erhöhten Kraftstoffverbrauch und einer geringen Geschwindigkeitseinbuße blieb dieser Schaden allerdings bis auf weiteres ohne Folgen...
Nach rund 1150km erreichten wir unser erstes Etappenziel, das Hotel Fornells Park in Giron (ES). Als Andy mal kurz für kleine Königslöwen war, beschlossen Jürgen und Harri Ihm so lange wie möglich den Schaden am Bus zu verschweigen. Unser Andy macht sich doch immer so schnell und intensiv Sorgen.



Tag 2, 24.01.2010 - Anreise:

Wie geplant übernahm Harri die erste Bus Tour und Jürgen unterhielt Andy beim ersten laaangen Stint. ;o)
Nach der ersten Pinkelpause wollte Andy schon übernehmen, das konnte aber noch um Haaresbreite abgewendet werden. Beim nächsten Nachdieseln bei ca. 1650km war es dann allerdings vorbei mit der Nervenschonkur, denn Andy wollte bei Harri im Bus mitfahren. Mit den eröffnenden Worten "Andy - Du musst jetzt stark sein..." weihten wir Ihn schließlich ein. Wie erwartet war er anfangs geschockt und nach 20 Minuten dann "not amused". Viel Zeit zum sinnieren blieb ohnehin nicht, da sich an Jürgens Anhänger der rechte Reifen auf den Weg ins Nirwana machte. Eine Riesige Blase, in Folge eines Karkassenschadens verursacht, brachte den Reifen beinahe zu platzen. Formel 1-Team-artig wechselten wir den Reifen auf dem Pannenstreifen. Andy sicherte unsere Leben, Jürgen wagenhebte, während Harri Reifen schraubte.
Das am 16.01. frisch erworbene Ersatzrad und die Tatsache Werkzeug und Wagenhuber griffbereit verstaut zu haben erwies sich als vorteilhaft. Danach war natürlich nochmal eine extra Pause erforderlich für ein kurzes Debriefing und um den Humus aus der Hose zu schaufeln.
Vor Cartagena verfuhren wir uns nochmal intensiv und erreichten die Rennstrecke gegen 18Uhr. Wir bauten an einer Mauer am Rande des Fahrerlagers neben ein paar Jungs vom R6-Cup auf. Wisst Ihr schon was wir nach dem Aufbauen gemacht haben? Na klar wisst ihr das! Selbstverständlich haben wir gegrillt.





Tag 3, 25.01.2010 Rollout:

Um 9Uhr30 trafen wir uns mit den anderen Moppedtreibern zur Fahrerbesprechung. Wie erwartet erfuhren wir nicht viel Neues und waren froh als wir den Ort des "Drivers Briefing " wieder verlassen konnten, denn leider war es windig und etwas frischer als wir es uns bei der Buchung der Südspanischen Rennstrecke erhofft hatten. C’est le temps!
Andy und Thorsten starteten in Gruppe 1 bei den schnellen, Jürgen und Harri hatten mangels Streckenkenntnis mit einigem Aufwand die gemäßigtere Gruppe 2 gebucht. Die gute Frau bei der Gruppeneinteilung hatte offenbar angesichts der Überfüllung der mittleren Gruppe Jürgen auch zu den schnellen stecken wollen (so gut wie keiner will am ersten Tag zu den schnellen und langsam sind die Racer ja schließlich alle nicht ;o)
Daraufhin hatte er höflich darum gebeten wie vereinbart in die Gruppe 2 eingeteilt zu werden, was aber erst nach einigem hin und her möglich war.
Das Wetter war wechselhaft und es regnete immer wieder ein wenig. Es war aber trocken genug um auf Slicks zu fahren. Anfangs lief alles ohne besondere Vorkommnisse bis Jürgens Motorrad nur noch auf drei Zylindern lief. Nach einer guten Stunde stand fest dass der sündteure Schaltautomat kaputt gegangen war und so der 4. Zylinder keinen Zündfunke mehr hatte. Kurzerhand wurde das Teil einfach ausgebaut und die Zündungselektrik in den Serienzustand zurück versetzt. Nach dem Mittag wurde das Wetter zunehmend schlechter, bis nach dem 5. Turn schließlich wegen Regen und böigen Wind nicht mehr gefahren werden konnte. Im Windschatten von Thorstens Anhänger begannen wir dann mit dem Abendprogramm – grillen.
Während dem Essen regnete und stürmte es dann schon heftig.



Tag 4, 26.01.2010 Der Umzug:

Nach Mitternacht mussten Andy und Harri mehrmals aufstehen um stabilisierende Maßnahmen an den beiden Pavillons vorzunehmen. Gestern hatten wir schon 10er Dübel in den Boden gebohrt und damit die Zeltgestänge festgeschraubt. Immer wieder drückte der Wind den Reißverschluss des Eingangs auf und hob, verschob und verbog die beiden Pavillons. Irgendwann gegen 2Uhr fiel dann der Strom und somit die Heizung aus. Im strömenden Regen suchten wir die Adapter für die anderen spanischen Steckdosen raus und behoben das Problem. Kurze Zeit später mussten Andy und Harri dann den großen Pavillon festhalten. Um halb acht holten sie dann Jürgen und Thorsten zur Hilfe. Immer wieder wechselten sich starke Schauer und Sturmböen ab, bis gegen 10Uhr eine starke Böe eine am Boden verschraubte Halterung abbrach und das gesamte Zelt inkl. einigem Material das daran hing nach hinten über die Mauer riss. Andy hatte das Zelt bis zuletzt festgehalten, konnte aber gegen diese Naturgewalt nichts ausrichten. Jürgen erlangte die Fassung als erster wieder und ging blitzschnell über zum Krisenmanagement. Wir lösten hastig alle verbliebenen Zeltplanen und brachten teures in Sicherheit. Unverzüglich bemühten wir uns beim Veranstalter um eine Box.
Gottseidank waren nicht alle Boxen ausgebucht und so zogen wir gemeinsam mit zwei Leuten aus Dänemark die ebenfalls "Schiffbruch" erlitten hatten in Box 17. Dort beschäftigten wir uns dann den ganzen Tag damit die kreuz und quer in die Anhänger geworfenen Sachen auseinander zu dröseln und trocken zu legen. Thorstens Schwager hatte übrigens unseren Bus bei einem Bekannten in die Werkstatt gebracht, der konnte den defekten 5. Gang allerdings nicht auf die Schnelle reparieren.
Wetterbedingt war an fahren nicht zu denken…
Immerhin hat der Grill überlebt und wir konnten den Tag nach getanem Wiederaufbau adäquat ausklingen lassen.





Tag 5, 27.01.2010 Zweiter Versuch:

Der verlogene Wetterbericht hatte uns via sporadisch funktionierendem Wireless Internet Besserung versprochen und eine sternenklare Nacht hat uns glauben lassen das das wahr ist. Der Morgen trübte das Wetter dann aber gerade noch rechtzeitig ein, sodass es pünktlich zur Öffnung der Strecke wieder zu regnen begann. Unsere Slicks hatten zu dem Zeitpunkt bereits Betriebstemperatur und lechzten danach mal wieder ordentlich durchgebürstet zu werden und so war nicht nur unser Unmut groß als wir dann doch auf Regenreifen wechseln und die Regensachen auspacken mussten. Nach kurzer Wallung in der Box waren wir dann auf die Wetterbedingungen eingestellt und nässten uns ein – äh – machten uns nass… Naja, Ihr wisst schon ;o)
Gegen Ende des Tages trocknete es dann ab und wir beendeten den operativen Teil ohne Schäden und Ausfälle. Jürgen oxidierte schon mal die Holzkohle während Andy und Harri Frischfleisch besorgten. Unter anderem hatten wir heute Hamburger.
Nach dem Essen schraubten wir wieder auf trocken um und taten den nötigen Dienst an Waffen und Gerät.

Box17 Banner
Schaltschema

Tag 6, 28.01.2010 Sonne, Palmen und Benzinverschleiß:

Endlich zeigte sich Cartagena von seiner besten Seite. Wolkenloser strahlend blauer Himmel und Sonnenschein ließen die Slicks auf ihre Kosten kommen. Morgens war es noch ziemlich kalt, nach dem 2. Turn wurde es aber angenehm warm. Das Mittagessen konnten wir dann sogar im T-Shirt genießen. Auf Grund des schlechten Wetter der vergangenen Tage hatte der Streckenbetreiber die Mittagspause zum fahren freigegeben. Also fuhren wir so viel es ging und unser Tankeimer war beschäftigt wie selten. Leider ließ der Veranstalter nicht mit sich reden und verkaufte Thorsten keinen halben Tag. Ein wenig genervt packte er seine Sache zusammen und fuhr zum Flughafen. Bei Andy, Jürgen und Harri lief alles glatt – keine Späne, keine technischen Probleme. Nach der Rennerei machten wir uns daran unsere Sachen zu packen und richteten das verbogene Gestänge von Jürgens Pavillon mit Hilfe unserer neuen dänischen Kumpels. Als die Moppeds verstaut waren machten wir eine Pause um Abend zu essen. Der Grill kam heute ausnahmsweise nicht zum Einsatz. Außerdem bekamen wir zwei weitere Prominente Unterschriften auf das Chaos Racing Banner – Jörg Teuchert der IDM Meister und Sascha Hommel, 600er Supersport Meister. Der Streckenfotograf kam uns noch besuchen und zeigte uns was mittels Photoshop möglich ist und reparierte auf dem Laptop kurzerhand Harris beschädigte Verkleidung. Morgen geht’s nach dem Verladen der restlichen Sachen auf die erste Etappe nach Hause.

Cartagena Palme

Tag 7, 29.01.2010 Die Rückfahrt:

Wir standen kurz nach 6 Uhr auf und packten die Betten und die restlichen Sachen ein. Um 7Uhr30 verließen wir das Fahrerlager des Circuito di Cartagena und machten uns auf die erste Etappe nach Hause. Damit wir wie geplant den größeren Teil der Strecke am ersten Tag auch ohne 5. Gang hinter uns bringen konnten, hieß das Motto des Tages "Zylinder gießen".
Das waren wir ja von Gestern noch gewohnt, nur heute kam wieder Diesel zum Einsatz.
Bei Elche, eine Stadt an der Ostküste Spaniens, verließen wir die Auto Pista um zu Tanken. Wer auf Kreisverkehr steht muss dort unbedingt mal gewesen sein, es gibt praktisch keine Kreuzungen. Uns war beinah ein wenig schwindelig als wir wieder zurück auf der AP 7 waren. Gegen 21Uhr30 nahmen wir uns ein Hotel bei Nimes. Nach den rund 1100km hatten wir wirklich genug für heute. Gegenüber vom Hotel befand sich ein Steakhaus. Da zogen wir uns ein "Duo de Boeuf" rein, genau wie letztes Jahr nach Almeria.




Tag 8, 30.01.2010 Die Rückfahrt 2:

Nach einer himmlischen Nacht, ohne Lärm, Kälte und Benzingeruch, in einem richtigen Bett und einer Heißen Dusche, starteten wir gegen null6hundert45 auf die 2. Etappe heimwärts. Bis auf ein paar Mal schlechte Sicht wegen starken Schneefalls ging es ohne Zwischenfälle gut voran und wir erreichten Stuttgart gegen 18Uhr30 nach insgesamt 3954km. Es war wie immer eine Geile Chaos-Racing-Veranstaltung. Vielen Dank an die Spanier für die geile Rennstrecke, das viele kalte Wasser.

Die Überlegungen für die 2011er Logistik laufen bereits.

Herzlichst
Eure Chaoten